Bolt.new ist ein KI-gestützter Website- und App-Builder von StackBlitz, der den Weg von einer Idee zu einer laufenden Anwendung stark verkürzt. Statt zuerst eine lokale Entwicklungsumgebung einzurichten, beschreibt der Nutzer im Browser, was entstehen soll. Bolt erzeugt daraufhin Projektstruktur und Quellcode, führt die Anwendung direkt aus und zeigt den aktuellen Stand in einer Vorschau. Änderungen können über weitere Prompts oder direkt im integrierten Code-Editor vorgenommen werden. Dadurch liegt Bolt zwischen einem klassischen No-Code-Baukasten und einer Entwicklungsumgebung: Einsteiger können viel über natürliche Sprache steuern, während Entwickler Zugriff auf echten Code, Projektdateien, Abhängigkeiten und technische Einstellungen behalten. Besonders naheliegend sind Prototypen, Landingpages, interne Tools, MVPs und Webanwendungen, bei denen Geschwindigkeit wichtiger ist als eine komplett manuelle Einrichtung.
Für den Prompt-Workflow bietet Bolt inzwischen mehrere Hilfen, die über einfachen Textchat hinausgehen. Prompts können per Spracheingabe diktiert werden. Mit Prompt Queueing lassen sich weitere Anweisungen bereits während eines laufenden Builds einreihen und vor der Ausführung umsortieren, bearbeiten oder löschen. Wiederverwendbare Skills können Regeln, Kontext und Arbeitsabläufe für Projekte bündeln. Teams können zusätzlich Vorlagen nutzen, um wiederkehrende Projektstrukturen als Ausgangspunkt für neue Builds bereitzustellen.
Technisch konzentriert sich Bolt auf JavaScript-basierte Webentwicklung. Für Backends wird Node.js unterstützt; im Frontend können JavaScript-Frameworks eingesetzt werden. PHP- oder Python-Backends sind laut offizieller Dokumentation nicht kompatibel. Diese Grenze ist wichtig, wenn ein bestehendes Projekt zwingend auf einer anderen Backend-Sprache basiert. Die Entwicklungsumgebung läuft primär im Browser. Auf dem Desktop unterstützt Bolt Chrome und andere Chromium-Browser sowie Safari mit Einschränkungen. Bolt funktioniert inzwischen auch in mobilen Browsern: Auf Smartphone oder Tablet lassen sich Projekte starten, der KI-Chat nutzen und Websites veröffentlichen. Code-Ansicht, Projekteinstellungen und Datenbankverwaltung sind mobil derzeit nicht verfügbar; außerdem werden mobil veröffentlichte Websites immer öffentlich bereitgestellt. Wer lokal weiterarbeiten möchte, kann den Quellcode herunterladen und mit einem eigenen Editor verwenden. Für mobile Projekte kann Bolt Expo-kompatible Anwendungen vorbereiten, die anschließend für iOS oder Android weiterentwickelt werden können.
Für datenbasierte Anwendungen stellt Bolt eigene Cloud-Funktionen bereit. Dazu gehören Datenbanken, Tabellen, Authentifizierung, Nutzerverwaltung, Dateispeicher, Secrets und Server Functions. Datenbanktabellen können im Projekt eingesehen und bearbeitet werden; Daten lassen sich als CSV oder JSON exportieren. Zusätzlich kann Supabase als alternativer beziehungsweise erweiterter Datenbankanbieter verbunden werden. Ein integrierter Security Audit prüft unter anderem Datenbankregeln und kann auf problematische Berechtigungen oder fehlende Schutzregeln hinweisen. Beim Veröffentlichen führt Bolt ebenfalls automatisierte Sicherheitsprüfungen aus. Diese Hilfen ersetzen jedoch keine vollständige Sicherheitsprüfung durch Fachleute. Gerade bei Anwendungen mit personenbezogenen, vertraulichen oder geschäftskritischen Daten sollten Datenmodell, Zugriffsregeln, Secrets und externe Integrationen vor dem Produktiveinsatz separat kontrolliert werden.
Die Veröffentlichung ist direkt in den Arbeitsablauf eingebaut. Bereits der kostenlose Tarif enthält Website-Hosting und eine bolt.host-Adresse. Bezahlte Tarife erweitern den Umfang und ermöglichen unter anderem eigene Domains. Alternativ kann ein Projekt über GitHub oder einen heruntergeladenen ZIP-Export außerhalb von Bolt weitergeführt und bei einem anderen Dienst veröffentlicht werden. Die offizielle GitHub-Integration ist deshalb ein wichtiger Punkt gegen einen vollständigen Lock-in: Ein bestehendes Repository kann in Bolt importiert werden, und aus einem Bolt-Projekt lässt sich ein neues Repository erstellen. Änderungen können über GitHub und die Versionshistorie gesichert werden. Bolt dokumentiert ausdrücklich, dass der Code in GitHub weitergenutzt werden kann, auch wenn später nicht mehr mit Bolt gearbeitet wird. Bolt-spezifische Cloud-, Datenbank- oder Integrationsfunktionen können bei einem Wechsel trotzdem Anpassungen erfordern.
Neben GitHub unterstützt Bolt mehrere Integrationen für typische Entwicklungsabläufe. Figma und Google Stitch können Designs in den Arbeitsprozess bringen, Stripe kann für Zahlungsfunktionen in erzeugten Anwendungen eingebunden werden und Supabase ergänzt die Datenbankmöglichkeiten. Netlify steht als alternative Veröffentlichungsoption zur Verfügung. Für mobile Anwendungen dient Expo als wichtiger Anschluss. Für Unternehmen ist Bolt außerdem in Microsoft Teams und Microsoft 365 Copilot verfügbar; die Freigabe kann über Microsoft Entra ID administriert werden. Darüber hinaus unterstützt Bolt das Model Context Protocol, kurz MCP. Damit können externe Werkzeuge und Datenquellen in den KI-Chat eingebunden werden. Je nach verbundenem Dienst kann Bolt Informationen lesen oder Aktionen ausführen. Bolt weist zugleich darauf hin, dass viele gleichzeitig aktive Connectoren mehr Kontext benötigen und Leistung oder Ergebnisqualität beeinträchtigen können. Nicht benötigte Verbindungen sollten deshalb deaktiviert und Berechtigungen sparsam vergeben werden.
Zusammenarbeit ist sowohl in einzelnen Projekten als auch über Team-Arbeitsbereiche vorgesehen. Das Teilen eines Projekts mit eingeladenen Personen setzt laut aktueller Dokumentation einen bezahlten Tarif voraus; dafür gibt es Rollen wie Viewer, Editor und Co-owner. Mehrere Personen können gleichzeitig an einem Projekt arbeiten, wobei Bolt Prompt-Anfragen nacheinander verarbeitet, um widersprüchliche Änderungen zu vermeiden. Bei gemeinsamen Projekten werden die Tokens desjenigen Kontos verwendet, das den jeweiligen Prompt absendet. Teams ergänzt zentrale Abrechnung, Zugriffsverwaltung und administrative Steuerung. Bezahlte Teams können eigene Designsysteme hinterlegen, damit Bolt beim Erstellen von Oberflächen vorhandene Komponenten und Gestaltungsregeln berücksichtigt. GitHub-Organisationen können so eingebunden werden, dass Administratoren festlegen, welche Repositories innerhalb von Bolt verfügbar sind. Enterprise richtet sich an größere Organisationen und ergänzt laut aktueller Preisseite unter anderem SSO, Audit-Logs, Governance, individuelle SLAs, 24/7-Prioritätssupport und erweiterte Beschaffungs- oder Abrechnungsoptionen.
Mit Bolt Slides unterstützt die Plattform inzwischen auch Präsentationen als eigenen Projekttyp. Präsentationen können per Prompt erzeugt, weiterbearbeitet und über einen veröffentlichten Link geteilt werden. Die Funktion umfasst unter anderem Standardlayouts, Presenter-Modus, Anmerkungen und interaktive Elemente wie Diagramme, Karten oder Modelle. Zusammenarbeit ist über die üblichen Projektrollen möglich. Bolt Slides ist laut aktueller Dokumentation in allen Tarifen verfügbar. Für Teams kann ein hinterlegtes Designsystem auch beim Erstellen von Präsentationen genutzt werden.
Beim Preis ist der dauerhaft kostenlose Einstieg von einer Testphase zu trennen. Der Free-Tarif kostet 0 und bietet aktuell 1 Million Tokens pro Monat bei einem zusätzlichen Tageslimit von 300.000 Tokens. Außerdem gehören öffentliche und private Projekte, Website-Hosting, bis zu ungefähr 333.000 Web-Requests, unbegrenzt viele Datenbanken und ein Upload-Limit von 10 MB dazu; veröffentlichte Websites tragen im Free-Tarif Bolt-Branding. Eine echte zeitlich begrenzte Testphase ist nicht bestätigt. Der Pro-Tarif startet öffentlich bei 25 US-Dollar pro Monat bei monatlicher Zahlung und enthält unter anderem 10 Millionen Tokens pro Monat, kein tägliches Tokenlimit, 100 MB Upload-Limit, eigene Domains, mehr Hosting-Requests, erweiterte Datenbankkapazität und den Wegfall des Bolt-Brandings. Teams startet bei 30 US-Dollar pro Mitglied und Monat, Enterprise wird individuell angeboten.
Tokens sind für die Kostenplanung besonders wichtig. Ein Token ist vereinfacht ein kleiner Text- oder Codebaustein, den das KI-Modell verarbeitet. Bei Bolt fließt ein großer Teil des Verbrauchs in den Projektkontext, den die KI bei einer Anfrage berücksichtigen muss. Dadurch können größere Projekte pro Nachricht deutlich mehr Tokens benötigen als kleine Prototypen. Bezahlte ungenutzte Tokens können nach der aktuellen Preisdokumentation begrenzt in den nächsten Monat übernommen werden, solange das Abo aktiv bleibt. Die öffentliche Preisseite zeigt derzeit US-Dollarpreise. Ein öffentlich zugänglicher deutscher oder europäischer Checkout mit eindeutigem EUR-Originalpreis konnte nicht verifiziert werden. Deshalb sollte für ToolWissen keine eigene Euro-Umrechnung als Anbieterpreis gespeichert werden; die technische Anzeigeumrechnung erfolgt getrennt. Für den kostenlosen Einstieg bleibt im Importmodell der Betrag 0 Euro.
Bolt betreibt ein persönliches Referral-Programm, unterscheidet dieses aber ausdrücklich von einem klassischen Affiliate- oder Sponsoringprogramm. Geworbene neue Nutzer erhalten nach der aktuellen offiziellen Beschreibung 20 Prozent Rabatt auf ein bezahltes Pro- oder Teams-Abo. Bei Monatszahlung gilt der Rabatt für die ersten drei Monate, bei Jahreszahlung einmal auf das erste Abonnement. Der Empfehlende erhält 15 Prozent der Zahlungen, höchstens 50 US-Dollar je erfolgreicher Empfehlung. Die Abwicklung läuft über Cello; Auszahlungen können über PayPal oder Venmo erfolgen und werden nach einer Zahlung zunächst 30 Tage zurückgehalten. Für ToolWissen ist wichtig, dass ein öffentlicher Info-Link allein kein eigener Affiliate-Link ist. Ohne einen ausdrücklich bereitgestellten persönlichen ToolWissen-Referral-Link bleibt die Verlinkung deshalb ein normaler Informationslink.
Datenschutz und Sicherheit müssen bei Bolt differenziert betrachtet werden. Die aktuelle Privacy Policy von StackBlitz, Inc. gilt ausdrücklich für Bolt.new und nennt unter anderem Kontodaten, Abrechnungsdaten, Supportkommunikation, Prompts, Code, Konfigurationsdateien, Uploads sowie technische Nutzungsdaten als mögliche verarbeitete Informationen. Werden Dateien oder Inhalte für eine KI-Anfrage bereitgestellt, können relevante Daten an beteiligte KI-Dienstleister übertragen werden. StackBlitz erklärt, AI Inputs und Outputs auch zum Betrieb und zur Verbesserung des Dienstes verwenden zu können, wobei je nach Konto Möglichkeiten zur Einschränkung bestehen können. Das Unternehmen sitzt in den USA; internationale Datenübertragungen können daher relevant sein. Die Richtlinie verweist für Kundendaten in erstellten Anwendungen auf vertragliche Vereinbarungen und Data Processing Addenda, soweit anwendbar. Daraus sollte keine pauschale Aussage wie „DSGVO-konform“ abgeleitet werden. Unternehmen müssen den konkreten Tarif, DPA beziehungsweise AVV, Unterauftragnehmer und Transfers für den eigenen Einsatz prüfen.
Auch die öffentlichen Nutzerbewertungen sollten nicht zu einer einzigen Qualitätsaussage zusammengezogen werden. Trustpilot ist aktuell mit 199 Bewertungen die größte importfähige Quelle und zeigt 1,4 von 5 Sternen. Beim App Builder Index beträgt die getrennt ausgewiesene Community-Wertung 4,2 von 5 bei 79 Ratings; die redaktionelle 3,9-Punkte-Note dieser Seite wird nicht als Nutzerbewertung übernommen. Secret zeigt 4,6 von 5 bei 49 Reviews, Product Hunt 4,5 von 5 bei 46 Reviews und G2 3,1 von 5 bei 6 Bewertungen. TrustRadius weist 9,3 von 10 bei 3 Reviews und Ratings aus, was für das ToolWissen-Fünf-Sterne-Modell 4,65 von 5 entspricht. Gartner Peer Insights zeigt 4,0 von 5 bei einer Bewertung und SourceForge 5,0 von 5 bei einer Bewertung. Die Spannweite ist groß und die kleineren Quellen haben nur wenige Bewertungen. Wiederkehrend positiv genannt werden schnelles Prototyping, der Browser-Workflow und die geringe Einstiegshürde. Kritisiert werden unter anderem hoher oder schwer planbarer Tokenverbrauch, Debugging-Schleifen bei größeren Projekten und Supportprobleme. Diese Punkte sind Nutzererfahrungen und keine automatisch bewiesenen technischen Tatsachen.
Für die Auswahl gegenüber Alternativen kommt es stark auf den Arbeitsstil an. Lovable bietet einen ähnlich zugänglichen Prompt-to-App-Ansatz und ist ein direkter Vergleich für Nutzer, die möglichst schnell Webanwendungen erzeugen möchten. Replit ist breiter als allgemeine browserbasierte Entwicklungsplattform mit KI-Agent, Codeausführung und Deployment. Cursor richtet sich stärker an Entwickler, die lokal oder repository-nah mit einem KI-Code-Editor arbeiten. v0 ist besonders für UI- und Webentwicklung im Vercel-Umfeld interessant. Softr setzt stärker auf klassischen No-Code-App- und Portalbau, während Retool vor allem interne Unternehmensanwendungen adressiert. Bolt.new ist besonders interessant, wenn KI-Chat, echter Code, Browserausführung, Datenbank, Hosting und GitHub in einem zusammenhängenden Dienst gewünscht sind. Weniger passend ist es, wenn ein Projekt zwingend PHP oder Python im Backend benötigt, vollständig offline laufen muss oder ohne technische Prüfung direkt als hochkritisches Produktionssystem eingesetzt werden soll.