Synthesia ist eine cloudbasierte KI-Videoplattform für Unternehmen und Teams, die Videos ohne klassische Dreharbeiten erstellen, aktualisieren und in mehreren Sprachen bereitstellen möchten. Der zentrale Ablauf findet im Browser statt: Ein Skript, eine Präsentation, ein Dokument oder ein Prompt dient als Ausgangspunkt, daraus werden Szenen mit KI-Avataren, Stimmen, Bildern, Bildschirmaufnahmen und Markenelementen aufgebaut. Besonders häufig passt dieser Ansatz zu Schulungen, Onboarding, Produktanleitungen, interner Kommunikation und internationalem Lerncontent, weil Änderungen direkt im Projekt vorgenommen und neu generiert werden können.
Für den Einstieg können Texte direkt geschrieben oder vorhandene Inhalte übernommen werden. Der aktuelle Assistant verarbeitet unter anderem Prompts, PowerPoint-Dateien, PDFs, Word-Dokumente, Textdateien und URLs und kann daraus eine Gliederung und anschließend Szenen erzeugen. Wer ein vorhandenes Skript wortgetreu verwenden möchte, kann es getrennt importieren. Bei Präsentationen und Dokumenten ist dagegen wichtig, ob Synthesia den bestehenden Inhalt möglichst direkt übernimmt oder auf Basis der Quelle ein neues Skript formuliert. Dadurch eignet sich die Plattform gut als Produktionsschicht über bereits vorhandenen Schulungs- und Wissensinhalten, ersetzt aber nicht automatisch eine redaktionelle Prüfung des erzeugten Skripts.
Die sichtbarste Besonderheit sind KI-Avatare und synthetische Stimmen. Je nach Tarif stehen unterschiedlich viele fertige Avatare zur Verfügung; persönliche Avatare können für eigene Sprecherrollen ergänzt werden. Stimmen lassen sich nach Sprache, Akzent und Geschlecht auswählen. Synthesia unterstützt eine sehr große Zahl von Sprachen und regionalen Varianten für die Videoausgabe. Mehrere Sprachen können auch innerhalb eines Projekts genutzt werden. Für nicht englische Inhalte empfiehlt der Anbieter selbst eine sprachliche Kontrolle, besonders wenn Aussprache oder Fachbegriffe wichtig sind. Damit kann die Plattform viele Sprecheraufnahmen ersetzen, die in klassischer Produktion für jede Sprachversion neu organisiert werden müssten.
Für internationale Inhalte bietet Synthesia zwei unterschiedliche Wege. Die Übersetzungsfunktion erstellt Sprachversionen eines bestehenden Synthesia-Videos und kann diese gemeinsam verwalten. Zuschauer können bei veröffentlichten mehrsprachigen Videos zwischen Sprachvarianten wechseln. Zusätzlich gibt es KI-Dubbing für bereits vorhandenes Videomaterial. Dabei wird gesprochenes Audio übersetzt; je nach Einstellung kann eine Lippensynchronisation hinzugeschaltet werden. On-Screen-Texte in einem fremden Ausgangsvideo werden durch Dubbing nicht automatisch mitübersetzt. Für professionelle Übersetzungsprozesse unterstützt Synthesia XLIFF-Dateien, sodass Skripte in einem Translation-Management-System bearbeitet und anschließend wieder importiert werden können. Enterprise-Kunden können außerdem ein Glossar nutzen, um Fachbegriffe, Übersetzungen und Aussprache zentral zu steuern.
Der Editor arbeitet szenenbasiert und verbindet KI-Erzeugung mit klassischer Gestaltung. Eigene Bilder, Videos, SVG-Grafiken und Audiodateien können eingebunden werden; zusätzlich stehen Vorlagen, Stockmaterial und KI-generierte Medien zur Verfügung. Bildschirmaufnahmen lassen sich für Softwareanleitungen und Produktdemos erfassen und mit Avatar-Szenen kombinieren. Für wiederkehrende Formate können Teams Vorlagen und Markenbausteine nutzen. Brand Kits, umfangreichere Markensteuerung und weitere Organisationsfunktionen sind teilweise höheren Tarifen vorbehalten. Die Plattform ist damit stärker auf standardisierte und skalierbare Unternehmensvideos als auf frei geschnittene Filmproduktionen mit tiefen Timeline-, Effekt- und Color-Grading-Workflows ausgerichtet.
Bei der Ausgabe gibt es mehrere Wege. Videos können über öffentliche oder geschützte Links geteilt, in Webseiten und Lernumgebungen eingebettet und in bezahlten Tarifen als MP4 heruntergeladen werden. Der reguläre Videoexport ist in Full HD möglich. Untertitel lassen sich als SRT oder VTT exportieren; Audio kann separat heruntergeladen werden. Interaktive Videos bilden eine wichtige Ausnahme: Quizfragen, Schaltflächen und Verzweigungen benötigen den Synthesia-Player und funktionieren nicht als normale interaktive MP4-Datei. Für Lernplattformen kann SCORM bereitgestellt werden. Dabei sollte bedacht werden, dass der Lerninhalt weiterhin auf dem gehosteten Synthesia-Player basiert und deshalb nicht mit einem vollständig eigenständigen Offline-Paket gleichzusetzen ist.
Für Lern- und Schulungsszenarien geht Synthesia deutlich über einen einfachen Avatar-Generator hinaus. Interaktive Elemente können Zuschauer zu Antworten oder zu unterschiedlichen Szenen führen, und Analysen helfen dabei, Nutzung, Abschlüsse und Antworten auszuwerten. Das ist besonders interessant für Onboarding, interne Schulungen, Produktwissen und wiederkehrende Prozessinhalte. Unternehmen, die bereits ein LMS einsetzen, können Inhalte über SCORM oder Einbettungen bereitstellen. Gleichzeitig bleibt Synthesia ein Videowerkzeug und kein vollständiger Ersatz für spezialisierte E-Learning-Suiten, wenn komplexe Prüfungslogik, umfangreiche Kursverwaltung oder vollständig offline bereitgestellte Lernpakete benötigt werden.
Zusammenarbeit hängt stark vom Tarif ab. Starter und Creator enthalten einen Editor sowie eine begrenzte Zahl von Gästen, während Enterprise stärker auf größere Organisationen ausgerichtet ist. Dort gehören unter anderem gemeinsame Arbeitsbereiche, erweiterte Organisationsverwaltung, SAML/SSO, Brand Kits, Live-Zusammenarbeit und höhere API-Grenzen zum Paket. Rollen und Zugriffe helfen, Inhalte nicht nur als einzelne Videodateien, sondern als zentral verwaltete Projekte zu organisieren. Für Teams mit strengen Berechtigungs- oder Beschaffungsanforderungen ist deshalb nicht nur die Zahl der Videominuten entscheidend, sondern auch, welche Governance-, Marken- und Zugriffsoptionen im jeweiligen Tarif enthalten sind.
Eine offizielle API ist vorhanden und richtet sich vor allem an Creator- und Enterprise-Nutzer. Damit können Videos automatisiert erzeugt und in bestehende Geschäftsprozesse eingebunden werden. Zusätzlich gibt es Integrationen mit verschiedenen Unternehmens- und Lernwerkzeugen sowie Automationsmöglichkeiten über Dienste wie Make. Für große Serien lassen sich personalisierte Videos aus strukturierten Datensätzen erzeugen. Diese Funktionen sind vor allem dann relevant, wenn Videos nicht einzeln im Editor gebaut, sondern regelmäßig aus wiederkehrenden Daten oder bestehenden Systemen erstellt werden sollen. Für einen normalen Einzelnutzer ist die API dagegen meist weniger wichtig als Editor, Avatare, Übersetzung und Export.
Synthesia ist primär eine Web- und SaaS-Anwendung. Der vollständige Editor ist für Desktop- oder Laptop-Nutzung ausgelegt. Für Self-Service-Nutzer gibt es eine eingeschränkte mobile Browsererfahrung, mit der unter anderem Videos angesehen, Dubbing-Aufgaben genutzt, persönliche Avatare erstellt oder einzelne Funktionen ausprobiert werden können; der komplette Videoeditor bleibt jedoch Desktop-orientiert. Eine native Smartphone-App für die vollständige Videobearbeitung ist aktuell nicht als offizielles Hauptprodukt bestätigt. Zusätzlich gibt es eine offizielle Chrome-Erweiterung für Bildschirmaufnahmen. Self-hosting und On-Premise-Betrieb werden nicht als reguläre Bereitstellungsoption angeboten, sodass eine Internet- und Cloudabhängigkeit bestehen bleibt.
Der öffentliche Basic-Tarif ist dauerhaft kostenlos und benötigt keine Kreditkarte. Er enthält aktuell 1.200 Credits pro Monat, die beispielsweise für bis zu etwa zehn Minuten klassische Videogenerierung genutzt werden können. Credits sind inzwischen der gemeinsame Verbrauchsrahmen für verschiedene KI-Funktionen. Starter kostet auf der deutschen Preisseite 29 US-Dollar pro Monat bei monatlicher Abrechnung und enthält ebenfalls 1.200 Credits pro Monat, ergänzt aber unter anderem Downloads, mehr Avatare, Gäste, den Video Assistant und die Entfernung des Synthesia-Logos. Creator kostet 89 US-Dollar pro Monat und enthält 3.600 Credits pro Monat sowie unter anderem API-Zugang, mehrere Avatare pro Szene und interaktive Videos. Enterprise wird individuell angeboten und richtet sich an größere Organisationen.
Bei Jahreszahlung zeigt die offizielle Preisseite derzeit zusätzlich Monatswerte von 18 US-Dollar für Starter und 64 US-Dollar für Creator, jeweils bei jährlicher Abrechnung. Gleichzeitig nennt die FAQ auf derselben offiziellen Seite noch Jahresbeträge von 264 beziehungsweise 804 US-Dollar. Diese Angaben sind nicht vollständig konsistent und sollten vor einer Kaufentscheidung direkt im Checkout oder mit dem Anbieter abgeglichen werden. Für die ToolWissen-Preisbox ist deshalb der dauerhaft kostenlose Basic-Einstieg die stabilere Hauptangabe. Wichtig ist außerdem, dass ungenutzte Self-Service-Credits nicht in den nächsten Abrechnungszeitraum übertragen werden. Credits eines alten Tarifs werden beim Wechsel nicht einfach mitgenommen, und zusätzliche Credits lassen sich im Self-Service-Modell nicht beliebig flexibel nachkaufen.
Eine klassische zeitlich begrenzte Testphase ist für die öffentliche Hauptpreislogik derzeit nicht eindeutig bestätigt. Der Basic-Tarif ist ein dauerhaft kostenloser Zugang und darf deshalb nicht als Testphase bezeichnet werden. Einzelne offizielle Seiten verwenden zwar Begriffe wie Trial oder kostenlos ausprobieren, doch daraus ergibt sich keine sauber definierte allgemeine Trial mit fester Laufzeit für Starter oder Creator. Für eine semantisch saubere ToolWissen-Erfassung lautet das Feld deshalb „Keine Testphase“, während der dauerhaft kostenlose Basic-Plan und sein Credit-Limit getrennt dargestellt werden.
Beim Datenschutz stellt Synthesia ein Data Processing Agreement bereit. Der rechtliche Anbieter wird in der Datenschutzrichtlinie als Synthesia Limited mit Sitz in London genannt. Synthesia beschreibt seine Plattform als Multi-Tenant-SaaS, also als gemeinsam betriebene Cloudumgebung mit logisch getrennten Kundendaten. Der Anbieter dokumentiert Sicherheitsmaßnahmen und verweist auf sein Trust Center sowie unter anderem auf SOC-2-Prüfungen. Für Unternehmen ist dennoch wichtig, nicht pauschal von einer allgemeinen DSGVO-Garantie auszugehen. Entscheidend sind der konkrete Vertrag, die verarbeiteten Inhalte, Nutzerrollen, Aufbewahrung, Unterauftragnehmer und die eigenen rechtlichen Anforderungen.
Die aktuelle Unterauftragnehmerliste zeigt, dass verschiedene externe Dienste in die Verarbeitung eingebunden werden können. Dazu gehören unter anderem Cloud-, Video-, Übersetzungs-, Sprach- und Rechendienste. Der Anbieter nennt auch Tochtergesellschaften in mehreren Ländern. In den Sicherheitsunterlagen werden EU-Speicherung und AWS-Regionen in Irland und Frankfurt für wichtige Kundendaten und Backups beschrieben, zugleich können einzelne Verarbeitungsschritte über weitere Anbieter und internationale Transfers laufen. Wer besonders sensible Unternehmensdaten, personenbezogene Inhalte oder regulierte Informationen verarbeitet, sollte deshalb DPA, Unterauftragnehmerliste, Datenflüsse und interne Freigaben vor dem Einsatz prüfen.
Eine weitere wichtige Grenze ist die Inhaltsmoderation. Synthesia erklärt ausdrücklich, dass generierte Videoinhalte moderiert werden. Automatisierte Systeme prüfen Inhalte und können bei Bedarf eine manuelle Kontrolle auslösen. Die Acceptable Use Policy legt zusätzliche Regeln für Stock-Avatare, sensible Themen, Identitäten und andere Inhalte fest. Das kann für Unternehmen ein Sicherheits- und Missbrauchsschutz sein, gleichzeitig berichten einzelne Nutzer auf Bewertungsplattformen davon, dass auch aus ihrer Sicht harmlose Inhalte blockiert wurden. Für Anwendungsfälle in sensiblen Bereichen sollte deshalb vorab geprüft werden, ob Inhalt, Avatarart und Verwendungszweck zu den jeweils aktuellen Richtlinien passen.
Die öffentliche Nutzerbewertung ist insgesamt positiv, aber nicht einheitlich. G2 ist aktuell die größte importfähige Quelle mit 4,6 von 5 Punkten aus 2.801 Bewertungen. Trustpilot liegt bei 3,9 von 5 aus 1.821 Bewertungen. Capterra, GetApp und Software Advice zeigen jeweils 4,6 von 5 aus 314 Bewertungen; diese Profile gehören zum Gartner-Digital-Markets-Umfeld und weisen denselben Reviewbestand auf, weshalb die Zahlen nicht addiert werden dürfen. Häufig gelobt werden die einfache Bedienung, schnelle Erstellung, Avatare und der Nutzen für Schulungsinhalte. Kritischer genannt werden Kosten, Credit- und Nutzungsgrenzen, Moderation, gelegentlich steif wirkende Avatare und Grenzen gegenüber professioneller Schnittsoftware.
Synthesia passt besonders gut, wenn viele erklärende oder schulende Videos wiederholt erstellt, aktualisiert und lokalisiert werden müssen. Der Nutzen steigt mit standardisierten Abläufen, mehreren Sprachversionen, wiederkehrenden Markenformaten und einem Team, das Inhalte zentral verwalten möchte. Weniger passend ist die Plattform für klassische Filmproduktion, vollständig lokale Arbeitsweisen, On-Premise-Pflichten, tiefen professionellen Videoschnitt oder Projekte, die keinerlei Cloudverarbeitung und Inhaltsmoderation zulassen. Als direkte Alternativen sind vor allem HeyGen und Colossyan relevant; VEED bietet einen breiteren Browser-Videoeditor, D-ID fokussiert stärker auf digitale Menschen und APIs, während Runway eher für generative kreative Videoproduktion als für standardisierte Unternehmensschulungen gedacht ist.