tl;dv ist eine cloudbasierte Plattform für Meeting-Aufzeichnung, Transkription und KI-gestützte Gesprächsauswertung. Sie richtet sich vor allem an Teams, die Google Meet, Zoom oder Microsoft Teams nutzen und Gesprächsinhalte nicht mehr manuell protokollieren möchten. Geplante Meetings können automatisch mit einem Meeting-Bot aufgenommen werden; über die Desktop-App sind zusätzlich botfreie Aufnahmen möglich, bei denen Mikrofon und Systemaudio erfasst werden. Nach dem Termin erstellt tl;dv ein Transkript, KI-Notizen, Zusammenfassungen und Aktionspunkte und legt die Inhalte in einer zentralen Bibliothek ab. Dadurch eignet sich das System nicht nur als Recorder, sondern auch als Wissensspeicher für Vertrieb, Customer Success, Produktteams, Recruiting, Forschung und allgemeine Projektarbeit.
Im normalen Bot-Modus kann tl;dv Audio und Video eines Meetings erfassen und Sprecher im Transkript zuordnen. Für Google Meet steht zusätzlich eine Chrome-Erweiterung zur Verfügung, während Zoom und Microsoft Teams auch über die Desktop-App bedient werden können. Die botfreie Desktop-Aufnahme ist besonders dann interessant, wenn kein zusätzlicher Teilnehmer im Call erscheinen soll oder eine andere Audio-Plattform verwendet wird. Dieser Modus hat aber eine klare Grenze: Aktuell wird dabei Audio erfasst, nicht das vollständige Meetingvideo, Screensharing oder der Chat. Eine einzelne Aufnahme oder hochgeladene Datei darf höchstens drei Stunden lang sein. Mobile Apps für iPhone und Android ergänzen die Nutzung bei persönlichen Gesprächen; mobile Aufnahmen können offline gestartet und später synchronisiert werden.
Nach der Aufnahme steht das Gespräch als durchsuchbares Transkript zur Verfügung. tl;dv unterstützt mehrsprachige Transkription und bietet neben einem eigenen Transkriptionsmodell auch Whisper an. Das ist besonders bei Meetings mit mehreren gesprochenen Sprachen relevant, wobei einzelne Modellfunktionen an höhere Tarife gebunden sein können. Die KI erzeugt Zusammenfassungen, erkennt Aufgaben und Entscheidungen und kann Fragen zu einzelnen oder mehreren Meetings beantworten. Eigene Notizvorlagen, Multi-Meeting-Analysen und geplante KI-Berichte erweitern die Auswertung. So lassen sich etwa wiederkehrende Einwände, Kundenwünsche oder Themen aus vielen Gesprächen zusammenführen, ohne jedes Meeting einzeln erneut anzusehen.
Für die tägliche Nachbereitung bietet tl;dv eine Meetingbibliothek mit Suche, Ordnern, Freigaben, Zeitstempeln und Clips. Einzelne wichtige Stellen können geteilt werden, ohne eine komplette Aufzeichnung weiterzugeben. Globale Suche und Filter helfen bei größeren Beständen, frühere Aussagen wiederzufinden. Aufzeichnungen, Notizen und Ergebnisse lassen sich außerdem an verbundene Werkzeuge weiterreichen. Für Vertriebsteams geht tl;dv deutlich über klassische Protokolle hinaus: Playbooks wie BANT oder MEDDICC, eigene Scorecards, Einwandanalysen, Sprecherkennzahlen und Coaching-Auswertungen sollen Managern helfen, reale Kundengespräche systematischer auszuwerten. Follow-up-E-Mails und CRM-Felder können aus dem Gesprächskontext vorbereitet oder automatisiert befüllt werden.
Zu den wichtigen Integrationen gehören HubSpot, Salesforce, Pipedrive, Slack, Notion und Zapier. Der Anbieter bewirbt darüber hinaus mehrere Tausend Integrationen, wobei diese Zahl laufend verändert werden kann und deshalb kein verlässlicher dauerhafter Grenzwert ist. Kalenderverbindungen können automatische Aufnahmen auslösen, und Workflows lassen sich nach Meetingtyp oder anderen Bedingungen steuern. Für technische Teams existieren eine API, Webhooks und MCP-Anbindungen. Die API kann Meetingdaten, Transkripte und Notizen bereitstellen und auch Meetings importieren. Die API ist derzeit als v1alpha1 gekennzeichnet und kann sich daher noch verändern. Webhooks melden unter anderem fertige Meetings oder Transkripte an HTTPS-Endpunkte. Über MCP lässt sich Meetingwissen in kompatiblen KI-Anwendungen wie ChatGPT und Claude abfragen.
Bestehende Audio- und Videodateien können ebenfalls hochgeladen werden. Unterstützt werden zahlreiche verbreitete Formate wie MP4, MOV, MKV, WebM, MP3, WAV, FLAC und weitere Formate, die technisch verarbeitet werden können. Hochgeladene Dateien werden transkribiert und mit KI-Notizen ergänzt. Eine automatische Sprechererkennung steht bei Uploads derzeit nicht zur Verfügung; Sprecher erscheinen deshalb mit generischen Bezeichnungen wie „Sprecher 1“ oder „Sprecher 2“. Die Upload-Funktion befindet sich laut aktuellem Hilfeartikel weiterhin in der Beta-Phase. Free-Konten können dort aktuell bis zu drei Dateien hochladen; für Pro und Business nennt der Artikel kein Upload-Limit. Downloads sind von Tarif, Rechten und Inhaltstyp abhängig. Einzelne Aufnahmen können unter passenden Voraussetzungen als MP4 gespeichert werden; ein uneingeschränkter Massenexport sämtlicher Meetingdaten ist öffentlich nicht bestätigt. Unternehmen mit strikten Archivierungs- oder Exit-Anforderungen sollten deshalb vor einem größeren Rollout prüfen, welche Daten sich in der benötigten Form exportieren lassen.
Der Free-Tarif ist dauerhaft verfügbar und bildet den strukturierten Einstieg mit 0 Euro. Der Anbieter bewirbt unbegrenzte Kernaufnahmen und Transkriptionen, zugleich gelten Fair-Use- und Funktionsgrenzen. Free-Aufzeichnungen werden drei Monate gespeichert; die Nutzungsbedingungen nennen außerdem bis zu 40 Aufnahmen pro Woche und keine gleichzeitigen Aufnahmen im Free-Tarif. Bei den KI-Limits widersprechen sich offizielle tl;dv-Seiten: Ein Hilfeartikel vom November 2025 beschreibt die ersten zehn Meetings mit vollständigen KI-Notizen sowie mehrere Kontingente als Lifetime-Limits. Eine neuere, im Juli 2026 gegen die Preisansicht geprüfte offizielle Vergleichsseite nennt dagegen KI-Notizen für zehn Meetings pro Monat. Für die aktuelle Einordnung wird die neuere Preisquelle bevorzugt; der ältere Hilfeartikel bleibt als dokumentierter Quellenkonflikt relevant. Bei hoher Auslastung können bezahlte Konten priorisiert werden. Der Gratis-Tarif ist deshalb ein echter Dauerzugang, aber kein Ersatz für alle Pro- oder Business-Funktionen.
Für bezahlte Nutzung nennt tl;dv 2026 offizielle Europreise. Pro kostet 29 Euro pro Sitz bei monatlicher Zahlung oder rechnerisch 18 Euro pro Sitz und Monat bei jährlicher Abrechnung, was einem tatsächlichen Jahresbetrag von 216 Euro pro Sitz entspricht. Business kostet 39 Euro pro Sitz bei monatlicher Zahlung oder 29 Euro pro Sitz und Monat bei jährlicher Abrechnung, also 348 Euro pro Sitz und Jahr. Enterprise wird individuell angeboten. Pro erweitert unter anderem KI-, Such-, Integrations- und Entwicklerfunktionen; Business ergänzt tiefere Multi-Meeting-, Sales- und Teamfunktionen. Eine allgemein und direkt auf offiziellen Kernseiten eindeutig dokumentierte zeitlich begrenzte Testphase war bei der Prüfung nicht belastbar genug bestätigt, deshalb wird der dauerhafte Free-Tarif nicht als Trial behandelt.
Rechtlicher Betreiber ist die tldx Solutions GmbH mit Sitz in Aachen, Deutschland. Der Anbieter erklärt, dass personenbezogene Daten überwiegend im Europäischen Wirtschaftsraum verarbeitet und gespeichert werden und nennt unter anderem Rechenzentren von Google Cloud, Wasabi und Hetzner in Europa. Für KI-Funktionen kann der Hosting-Standort in den Einstellungen gewählt werden; dokumentiert sind eine EU-Variante mit Verarbeitung in Frankreich sowie eine US-Variante. Die Datenschutzerklärung sagt ausdrücklich, dass Kundendaten, darunter Aufzeichnungen, Transkripte und Notizen, nicht zum Training oder zur Verbesserung allgemeiner generativer KI-Modelle verwendet werden. Auf der Security-Seite nennt tl;dv AES-256 für gespeicherte Daten, SSL beziehungsweise HTTPS für Verbindungen und SOC 2 Type II. Diese Angaben sind Anbieterangaben und ersetzen keine eigene Datenschutz- oder Vertragsprüfung.
Bei Meeting-Aufzeichnungen bleibt die rechtliche und organisatorische Verantwortung wichtig. Teilnehmer müssen je nach Einsatz, Land, Beschäftigtenkontext und Gesprächsart korrekt informiert werden und eine passende Rechtsgrundlage muss vorliegen. tl;dv bietet Einwilligungs- und Freigabefunktionen, daraus folgt aber keine pauschale Garantie für jeden Unternehmensfall. Ein direkt öffentlich verifizierter DPA- oder AVV-Link war im Recherchelauf weiterhin nicht eindeutig auffindbar. Die aktuelle Datenschutzerklärung veröffentlicht dagegen eine konkrete Liste von Dienstleistern und Unterauftragnehmern, darunter Google Cloud, Hetzner, Wasabi, Stripe, Mixpanel, Cloudflare, Sentry, Intercom, CustomerIO, Gmail, Slack, Anthropic, Google Vertex, Deel, HubSpot und Paragon. Für sensible oder regulierte Nutzung sollte zusätzlich geprüft werden, welcher DPA oder AVV im konkreten Vertrag gilt und welche Unterauftragnehmer für die tatsächlich genutzten Funktionen eingesetzt werden.
Das Bewertungsbild ist insgesamt gemischt, aber auf den größeren produktbezogenen Profilen deutlich positiv. Der Chrome Web Store führt die offizielle Erweiterung aktuell mit 4,6 von 5 Punkten bei 590 Bewertungen. G2 liegt bei 4,7 von 5 und 537 Reviews, das offizielle Google-Workspace-Marketplace-Profil bei 4,7 von 5 und 520 Nutzerbewertungen. Product Hunt liegt bei 4,1 von 5 aus 34 Reviews, OMR Reviews bei 4,4 aus 17. Das kleine Trustpilot-Profil fällt mit 2,2 von 5 bei neun Reviews deutlich negativer aus. In Nutzerberichten werden häufig Zeitersparnis, automatische Aufzeichnung, brauchbare Zusammenfassungen und gute Meeting-Nachbereitung genannt; gleichzeitig gibt es einzelne Berichte über Aufnahmeprobleme, Transkriptionsfehler, Exportgrenzen, Uploadprobleme sowie Support- oder Abrechnungserfahrungen. Die Unterschiede zwischen Plattformen sprechen dafür, keine einzelne Bewertungsquelle als vollständiges Gesamturteil zu lesen.
tl;dv passt besonders gut zu Teams, die viele Gespräche führen und daraus strukturiertes Wissen, Aufgaben, CRM-Daten oder Coaching-Erkenntnisse gewinnen möchten. Für reine Einzelnotizen ohne Teamworkflow können schlankere Alternativen genügen. Fathom, Fireflies.ai, Otter.ai, MeetGeek, Jamie, Granola, Read AI und Gong gehören zu den naheliegenden Vergleichsprodukten, unterscheiden sich aber bei Bot-Nutzung, Video, Sales-Tiefe, Preisen, Plattformen und Datenschutzmodell. Weniger passend ist tl;dv für Organisationen, die vollständiges Self-hosting, ausschließlich lokale Verarbeitung, eine native Linux-Desktop-App, botfreies Video oder einen vollständig offenen Massenexport verlangen. Für viele Teams ist deshalb nicht die reine Transkriptionsqualität die einzige Entscheidungsfrage, sondern das Zusammenspiel aus Aufnahmeart, KI-Auswertung, Automationen, Datenhaltung, Export und Kosten.