Typeform ist eine cloudbasierte No-Code-Plattform für Formulare, Umfragen, Quizze, Tests, Registrierungen und digitale Datenerfassungsabläufe. Der Kern unterscheidet sich von klassischen Formularlisten durch einen dialogartigen Aufbau, bei dem Teilnehmer meist Schritt für Schritt durch Fragen geführt werden. Formulare lassen sich im Browser erstellen, gestalten, per Link verteilen oder in Websites einbetten. Logik, Berechnungen, Variablen, Endseiten, Datei-Uploads, Zahlungen, Vorlagen und KI-Funktionen erweitern den Einsatz von einfachen Kontaktformularen bis zu Lead-Qualifizierung, Kundenfeedback, Research und internen Prozessen.
Beim Erstellen kann entweder mit einer Vorlage, einem leeren Formular oder Typeform AI begonnen werden. Die KI kann auf Basis einer kurzen Vorgabe Fragen und eine erste Struktur erzeugen und beim Formulieren unterstützen. Danach lassen sich verschiedene Fragetypen, Antwortmöglichkeiten, Bilder, Videos und Designelemente ergänzen. Bedingte Logik steuert, welche Frage als Nächstes erscheint. Dadurch können unterschiedliche Teilnehmer andere Pfade durchlaufen. Variablen, Scores und Berechnungen eignen sich beispielsweise für Quizze, Lead-Bewertungen oder einfache Preislogiken. URL-Parameter können bereits bekannte Informationen an ein Formular übergeben, während individuelle Endseiten je nach Ergebnis andere Abschlussmeldungen oder nächste Schritte zeigen.
Zu den spezialisierten Fragetypen gehören inzwischen auch Terminbuchungen und elektronische Signaturen. Der Scheduler kann Calendly oder Google Calendar direkt in ein Formular einbinden; bei Google Calendar ist die Funktion auf höhere Tarife beschränkt, während Calendly laut aktueller Hilfe auf allen Plänen angebunden werden kann. Die Signature-Frage erfasst einfache elektronische Signaturen durch Tippen, Zeichnen oder Hochladen und erzeugt nach dem Absenden ein gesperrtes PDF. Typeform weist zugleich darauf hin, dass diese Funktion keine fortgeschrittene oder qualifizierte elektronische Signatur mit stärkerer Identitätsprüfung ersetzt. RegEx-Validierung kann Eingabeformate bereits beim Ausfüllen prüfen. Datei-Uploads lassen sich außerdem direkt an Google Drive weitergeben. Mit Clarify kann KI auf offene Antworten bis zu zwei Rückfragen stellen, und FAQ mit KI beantwortet Teilnehmerfragen anhand einer hinterlegten Wissensbasis.
Für den Markenauftritt bietet Typeform Farben, Logos, Themes und in höheren Tarifen Brand Kits, eigene Schriftarten, eigene Subdomains beziehungsweise weitergehende Domain- und White-Label-Möglichkeiten. Das Entfernen des Typeform-Brandings gehört nicht zum kostenlosen Einstieg und ist an höhere Tarife gebunden. Formulare können als normaler Link geteilt oder in unterschiedlichen Varianten auf einer Website eingebettet werden, etwa direkt in der Seite oder als Popup. Für Teilnehmer funktionieren die Formulare über moderne Webbrowser auf Desktop- und Mobilgeräten. Typeform ist dabei in erster Linie eine Web- und Cloud-Anwendung. Eine eigenständige aktuelle Typeform-Haupt-App für iOS oder Android wurde bei der Prüfung nicht bestätigt. Ebenso gehört Self-hosting oder ein regulärer On-Premise-Betrieb nicht zum öffentlich angebotenen Standardmodell.
Nach dem Absenden landen Antworten im Typeform-Konto und können dort gefiltert, ausgewertet und weitergegeben werden. Ergebnisse lassen sich als CSV oder XLSX exportieren, sodass Daten beispielsweise in Tabellenkalkulationen oder anderen Analysewerkzeugen weiterverarbeitet werden können. Google Sheets kann Antworten automatisch übernehmen. Für komplexere Abläufe stehen zahlreiche Integrationen, Webhooks und eine API bereit. Webhooks schicken neue Antworten unmittelbar an ein Zielsystem, während die API technische Eigenentwicklungen ermöglicht. Offizielle Verbindungen gibt es unter anderem für HubSpot, Salesforce, Slack, Google Sheets, Zapier und weitere Business-Anwendungen. Dadurch lässt sich Typeform gut als Eingangspunkt für Marketing-, Vertriebs-, Support- oder Research-Daten verwenden, ohne dass jede Antwort manuell übertragen werden muss.
Die Auswertung reicht über eine reine Antwortliste hinaus. Dashboards und Ergebnisübersichten helfen bei der Sichtung der eingegangenen Daten. In höheren Angeboten kommen Funktionen wie Drop-off-Analyse und Conversion-Tracking hinzu. Drop-off-Daten zeigen, an welcher Stelle Teilnehmer ein Formular abbrechen, während Conversion-Tracking den Formularabschluss mit Kampagnen oder anderen Messpunkten verbinden kann. Smart Insights nutzt KI, um Muster in Antworten zusammenzufassen. Für qualitative Forschung erweitert Research Flow die Plattform um Video-Interviews, Transkription, KI-gestützte Auswertung und Highlight-Reels mit wichtigen Interviewausschnitten. Damit entwickelt sich Typeform von einem reinen Formular-Builder zu einer breiteren Plattform für Datenerfassung, Lead-Prozesse und Forschung, ohne dass jede dieser Zusatzfunktionen in jedem Tarif enthalten ist.
Typeform Pages erweitert die Plattform um KI-gestützte Landingpages mit Text, Medien, Navigation, eigenen Domains und eingebetteten Formularen. Die Funktion ist laut aktueller Hilfe jedoch noch eine Beta und der Zugang ist nicht für jedes Konto freigeschaltet. Sie sollte deshalb nicht so verstanden werden, als stünde bereits jedem Nutzer ein vollständig allgemein verfügbarer Landingpage-Builder zur Verfügung. Wer Pages einsetzen möchte, sollte zunächst prüfen, ob der Bereich im eigenen Konto aktiviert ist und welche Beta-Grenzen für den geplanten Einsatz gelten.
Beim Preis ist der dauerhafte Gratis-Tarif der klarste Einstieg. Er erlaubt aktuell zehn Antworten pro Monat über alle Formulare des Kontos hinweg. Formulare und grundlegende Funktionen können damit ohne sofortige Zahlung genutzt werden, für öffentlich beworbene Umfragen oder regelmäßige Lead-Erfassung ist dieses Limit jedoch schnell erreicht. Bei den bezahlten Tarifen laufen nach eigener Angabe von Typeform Preisexperimente. Deshalb zeigen offizielle Typeform-Seiten derzeit unterschiedliche Beträge: Je nach aufgerufener Preisvariante erscheinen für Basic, Plus und Business beispielsweise 29, 59 und 99 USD oder 39, 79 und 129 USD bei monatlicher Zahlung. Für EU-Abonnements bestätigt Typeform grundsätzlich die Abrechnung in Euro; die im Konto angezeigte Währung und der Upgrade-Preis richten sich nach der hinterlegten Rechnungsadresse. Da sich ohne eingeloggten deutschen Checkout kein stabiler konkreter EUR-Betrag unabhängig bestätigen ließ, bleibt der importierte Einstiegspreis beim bestätigten Gratis-Tarif und enthält keinen selbst umgerechneten Bezahlpreis. Alle veröffentlichten Preise sind laut Typeform ohne Steuern; in der EU wird Mehrwertsteuer hinzugefügt, wenn sie anfällt.
Growth Flow richtet sich stärker an Marketing- und Go-to-Market-Teams. Auch hier zeigen die öffentlichen Typeform-Seiten aktuell unterschiedliche Monatsvarianten, während für die Jahreszahlung ein rechnerischer Monatswert ausgewiesen wird. Die Preisansicht kennzeichnet Growth Flow mit einem 14-tägigen kostenlosen Test; eine aktuelle offizielle Variante nennt dafür ausdrücklich eine erforderliche Kreditkarte. Dieser Test gilt nicht pauschal für den normalen Free-, Basic-, Plus- oder Business-Einstieg und wird deshalb nicht als allgemeine Typeform-Testphase gespeichert. Growth Flow kombiniert unter anderem Lead-Anreicherung, Smart Insights, Kontakte und Automationen sowie E-Mail- und SMS-Follow-ups. Kontakte lassen sich zentral verwalten und per CSV importieren. Automationen können auf Listen, Änderungen oder Termine reagieren. Für einzelne Kontakte stehen je nach Angebot Lead-Scoring und Datenanreicherung bereit. Contacts & Automations wird außerdem als Add-on für ausgewählte Tarife angeboten; konkrete Kontingente und Preise sollten wegen der laufenden Preisexperimente bei jeder Aktualisierung erneut im Konto oder Checkout geprüft werden.
Für Teams hängen Zusammenarbeit und Rechte deutlich vom Tarif ab. Basic sieht einen Nutzer vor, Plus drei und Business fünf. Enterprise bietet individuellere Nutzer- und Antwortgrenzen sowie Funktionen wie SSO, stärkere Administrationsmöglichkeiten, individuelles Onboarding und erweiterten Support. Workspaces helfen dabei, Formulare nach Teams oder Projekten zu strukturieren. Für internationale Befragungen ist wichtig, zwischen der Sprache des Typeform-Kontos und der Sprache der veröffentlichten Formulare zu unterscheiden. Die Bedienoberfläche der Plattform ist aktuell auf Englisch und Spanisch verfügbar. Teilnehmertexte, Hilfen und Fehlermeldungen in Formularen können dagegen in vielen weiteren Sprachen erscheinen, darunter formelles und informelles Deutsch. Ein Sprachwechsel übersetzt selbst geschriebene Fragen nicht automatisch; diese Inhalte müssen separat übersetzt oder über die Mehrsprachenfunktionen gepflegt werden.
Typeform kann auch Zahlungen in Formulare einbauen. Für geeignete Konten steht eine Stripe-Zahlungsfrage zur Verfügung; außerdem existiert eine offizielle PayPal-Integration. Je nach Gerät und Browser können bei Stripe auch Apple Pay oder Google Pay erscheinen, diese Wallets stehen nach den offiziellen Hinweisen jedoch nicht in eingebetteten Formularen zur Verfügung. Für Unternehmen mit besonderem Datenschutzbedarf ist eine weitere Einschränkung wichtig: Die Stripe-Zahlungsfrage funktioniert nicht bei Konten mit EU Data Center. Wer zwingend EU-Datenhosting und die eingebaute Stripe-Zahlungsfrage gleichzeitig benötigt, muss deshalb prüfen, ob ein anderer Ablauf oder eine alternative Lösung geeigneter ist.
Rechtlicher Anbieter für die reguläre europäische Konstellation ist TYPEFORM SL mit Sitz in Spanien, Barcelona; als Gründungsjahr wird 2012 geführt. Typeform betreibt seine Infrastruktur auf Amazon Web Services. Nach den veröffentlichten Sicherheitsinformationen liegen die Hauptserver für Standardkonten in Virginia in den USA. Für bestimmte Enterprise- und Growth-Custom-Kunden steht eine EU-Datenhosting-Option zur Verfügung. Der Anbieter beschreibt TLS-Verschlüsselung während der Übertragung und AES-256 für ruhende Daten einschließlich Backups und nennt unter anderem SOC 2 Type II sowie mehrere ISO-Zertifizierungen. Die offizielle Backup-Hilfe nennt eine Aufbewahrung von Sicherungen von bis zu 15 Tagen. Für die Auftragsverarbeitung verweist Typeform auf Abschnitt 4 seiner Datenschutzerklärung und erklärt, dass deshalb normalerweise kein separat unterschriebener DPA nötig sei; einen individuellen DPA bietet das Unternehmen für Enterprise und Growth Custom an. Diese Anbieterangaben sind wichtige Prüfbausteine, ersetzen aber keine Bewertung des eigenen Nutzungsszenarios, insbesondere bei sensiblen Daten, Unterauftragnehmern und angebundenen Drittanbietern.
Bei den KI-Funktionen ist wichtig, welche Daten eine konkrete Funktion verarbeitet. Typeform nennt Anthropic und OpenAI als Anbieter für verschiedene KI-Funktionen. Bei der qualitativen Analyse von Smart Insights werden nach der aktuellen Hilfe Antwortdaten durch ein Sprachmodell verarbeitet; Typeform beschreibt hierfür eine private Modellumgebung. Bei der quantitativen Analyse geschlossener Fragen werden dagegen nach Anbieterangabe nur Fragen und Antwortoptionen an OpenAI gesendet, nicht die individuellen Antwortdaten. Typeform erklärt außerdem, dass Kundendaten nicht zum Training der verwendeten Modelle eingesetzt werden. Einzelne KI-Funktionen können deaktiviert werden. Für Organisationen mit sensiblen Daten bleibt trotzdem sinnvoll, vorab zu prüfen, welche konkrete KI-Funktion genutzt wird, welcher Datenfluss dafür gilt und ob diese Verarbeitung zum eigenen Datenschutz- und Vertragsrahmen passt.
Die öffentlichen Nutzerbewertungen fallen insgesamt positiv aus, unterscheiden sich aber deutlich nach Plattform. G2 zeigt aktuell 4,5 von 5 Punkten bei 1.017 Typeform-Bewertungen. Capterra kommt auf 4,7 von 5 bei 977 Bewertungen, GetApp und Software Advice jeweils auf 4,7 von 5 bei 975. Trustpilot fällt mit 2,5 von 5 bei 770 Bewertungen wesentlich schwächer aus. Wiederkehrend positiv genannt werden Bedienung, Gestaltung, der dialogartige Ablauf, Logik und Integrationen. Kritik betrifft häufig Preis, begrenzte Gratis- und Tariflimits, einzelne Auswertungsfunktionen und die Abhängigkeit wichtiger Funktionen von höheren Plänen. Die starke Abweichung zwischen B2B-Softwareportalen und Trustpilot sollte deshalb als Hinweis verstanden werden, Bewertungen nicht zu einer einzigen Gesamtmeinung zusammenzurechnen.
Typeform passt besonders zu Marketing-, Vertriebs-, Produkt-, HR- und Research-Teams, die mehr Wert auf Gestaltung, Logik und Integration legen als auf den niedrigsten möglichen Preis. Auch Agenturen, Selbstständige, Startups, SaaS-Unternehmen, Hochschulen und Website-Betreiber können damit professionelle Formulare und Befragungen aufbauen. Weniger passend ist die Plattform für sehr preisempfindliche Großumfragen, für Nutzer mit zwingend vollständig deutscher Bedienoberfläche oder für Organisationen, die Self-hosting oder On-Premise voraussetzen. Direkte Alternativen sind unter anderem Jotform für breitere Formular- und Workflow-Funktionen, Tally oder Google Forms für einfachere und günstigere Einstiege, SurveyMonkey und SurveySparrow für klassische Umfragen sowie Qualtrics für umfangreiche Enterprise-Forschung. Welche Alternative besser passt, hängt vor allem von Antwortvolumen, Analysebedarf, Designanspruch, Datenschutzanforderungen und Integrationen ab.